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“Die Schwebebahn ist eine einmalige Chance.”

In einem europaweit ausgeschriebenen Designwettbewerb haben sich die Spezialisten von büro+staubach gegen zahlreiche Konkurrenten durchgesetzt. Von Rio bis Düsseldorf waren die Berliner bislang erfolgreich tätig, ihre Erfahrung im Design von Nahverkehrsmitteln ist enorm. Nun haben Sie sich an die Wuppertaler Schwebebahn herangetraut.

Im Interview berichten Prof. Helmut Staubach und Prof. Nils Krüger über Lust und Last der Arbeit am weltberühmten Verkehrsmittel.Portrait

Als Sie damals von der Ausschreibung zum Schwebebahndesign hörten, was war Ihr erster Gedanke?

Prof. Staubach: Ich dachte, das ist eine einmalige Chance. Wir haben schon viele Fahrzeuge in aller Welt von Düsseldorf bis Rio entwickelt, aber die Schwebebahn ist einmalig und deshalb eine Herausforderung. Gleichzeitig hatte ich auch Respekt vor der Aufgabe, denn beim Wahrzeichen einer Stadt steht man natürlich unter einem ganz besonderen Erwartungsdruck.

Waren Sie überrascht, wie eng doch der Korridor für Kreativität bei der Schwebebahn ist?

Prof. Krüger: Nein, im Grunde nicht. Wir haben damit gerechnet, wir kannten die Schwebebahn natürlich schon vorher. Dennoch sind insbesondere die maßlichen Vorgaben enger, als wir das bei anderen Fahrzeugprojekten gewohnt sind. Am schwierigsten sind vielleicht die Gewichtsvorgaben, das schränkt schon enorm ein.

Das Echo auf Ihren Entwurf ist sehr unterschiedlich. Bei der Umfrage einer Tageszeitung hielten sich Zustimmung und Ablehnung die Waage. Enttäuscht Sie das?

Prof. Staubach: Nein, im Gegenteil. Ein Entwurf muss polarisieren, wenn etwas das Wohlwollen der breiten Mehrheit findet, haben wir unseren Job nicht richtig gemacht. Darum gibt es ja überhaupt so ein großes Echo und das empfinde ich als sehr positiv. Wenn man sich vor Augen führt, dass die Vorstellungen vom Bewahren bis zu futuristischen Gestaltungserwartungen gehen, sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Ein häufiger Vorwurf lautet: „Die sieht ja aus wie der Vorgänger!“ Was antworten Sie darauf?

Prof. Krüger: Wie gesagt, die Rahmenbedingungen waren eng, jede größere formale Änderung hätte zu spürbaren Einschränkungen für den Fahrerarbeitsplatz bzw. für die Fahrgäste geführt. Das war mit uns nicht zu machen. Die neuen Fahrzeuge werden die nächsten 30 bis 40 Jahre das Stadtbild Wuppertals prägen. Unser Ziel war es daher, ein modernes, aber nicht modisches Fahrzeug zu entwickeln. Dass eine Kontinuität dabei auch an der Form festzumachen ist, war durchaus eine bewusste Entscheidung.

Wie viel „Luft“ ist in dem Entwurf noch auf dem Weg zur Realisierung? Ist mit erheblichen Änderungen außen oder innen zu rechnen?

Prof. Krüger: Nein, die Grundzüge sind gesetzt, es sind nur marginale Veränderungen im Zuge der Realisierung möglich. Wo noch technische Änderungen auftreten können, beispielsweise bei den Fahrwerken, wird das natürlich zu Anpassungen der Gestaltung – in diesem Fall der Verkleidungen – führen. Im Innenraum dagegen gibt es neue Vorschläge, ich denke da zum Beispiel an die Holzbestuhlung, deren Realisier- und Finanzierbarkeit erst mit einem Hersteller sicherzustellen sind. Für diese Bereiche haben wir jeweils einen Alternativvorschlag erarbeitet, der gegebenenfalls zum Einsatz kommen wird.

Welche Punkte werden noch besonders spannend?

Prof. Krüger: Spannend wird es noch, wenn sich Freiräume aus der Konstruktion ergeben, etwa bei Gewichtsersparnissen. Diese würden wir dann für eine noch größere Transparenz der Fahrzeuge nutzen und insbesondere die Fensterhöhe verbessern. Denn mehr Glas bedeutet mehr Gewicht und das Gerüst lässt keine Mehrlast zu. Hier wird die konkrete Konstruktion über das Machbare bestimmen.

Sie werden Ihren Entwurf auch mit dem Hersteller in die Fertigung begleiten. Wie viel hängt jetzt noch vom Hersteller ab?

Prof. Staubach: Ganz viel, denn es gibt keinen Hersteller, der Lösungen direkt übertragen kann. Deshalb werden Engagement und Erfahrung des Herstellers entscheidend sein. Gemeinsam mit den verfügbaren Technologien wird das auch sichtbar, beispielsweise in Präzision und Qualität.

Wann ist für Sie die Arbeit beendet?

Prof. Krüger: Wenn das Fahrzeug schwebt.

Prof. Staubach (lacht): Und wir beide drinsitzen!

Vielen Dank für dieses Gespräch!

3 Kommentare zu "“Die Schwebebahn ist eine einmalige Chance.”"

  1. Udo K. sagt:

    Hallo Wuppertal, als „oller Wuppertaler“ habe ich Ihre Vorstellung der neuen Schwebebahn super gefunden. Das Design muss den Gegebenheiten und dem technisch Möglichen angepasst sein. Viel Spielraum für „Kinkerlitzchen“ gibt es da nicht. Nach dem Motto „Form follow Function“ Die Farbe ist nicht Match entscheidend und sollte dem aktuellen Trend entsprechend. Nach mehreren Jahren kann die Flotte sukzessiv umlackiert werden. Trendig und modern. Werbung finde ich toll und ist Einnahme sichernd.
    Ich bleibe am Ball und gratuliere Euch Wuppertalern zu der tollen Schwebebahn, welche meine Jugend prägend begleitet hat -Mein Vater war Schaffner auf der Bahn-

  2. Axel N. sagt:

    Das neue Design ähnelt zu sehr der aktuellen Version. Es ist schade das solch ein langweiliges Design die Zukunft der Bahn sein soll. Ich hatte innovatives einzigartiges Design erwartet, dieses Design ruft das Gefühl hervor das die aktuelle Wagenflotte Karosseriemäßig umgebaut und behalten wird. Sehr schade.

    • Lutz Esters sagt:

      Guten Tag, ich bin der Meinung, dass die Wagen zwar komfortabel und zeitgemäß konstruiert sein müssen, dass man aber durch die Farbe ein bisschen „Historisches“ an die Wagen bringen sollte. Ich finde es völlig widersinnig, das Gerüst im alten Stil neu zu bauen und dafür -zig Millionen mehr (im Vergleich zu einer modernen Konstruktion) auszugeben und dann moderne Stationen und moderne Wagen dranzuhängen. Ich fände es schön, wenn die neuen Wagen wieder unten rot und oben cremefarben lackiert würden. Werbung wieder wie früher auf einem „Brett“ oberhalb des Wagenkastens. Und bitte die Wagen definitiv nicht blau lackieren – ich kann mich noch erinnern, wie mies die Schwebebahnstationen vor -zig Jahren aussahen, als sie alle blau gestrichen waren…

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